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Zu dem Text gibt es noch was zu sagen: Das ist mir wirklich so passiert. Ist nix erfunden... wurde nur 3Jahre später erstmals von mir aufgeschrieben...


Schweigend sitzt sie in dem kalten, kahlen leeren Kellerraum in einer Ecke. Sie hat die Knie angezogen und die Arme darum gelegt. Ihr Kopf ruht mit der Stirn auf den Knien. Sie verhält sich ganz ruhig, damit niemand sie bemerkt. Sie will unsichtbar sein oder einfach nur irgendwo anders sein. Irgendwo ganz weit weg. Sie will nicht mehr zurück. Nie mehr. Was man ihr angetan hat war zu schlimm. Schon jetzt bemerkte sie, dass sie nie mehr so sein würde wie vor diesem Tag. Dabei sollte er doch so schön werden. Schließlich wird man ja nur einmal im Leben 12. Doch alles kam anders wie sie sich es erhofft hat. Sie hat gehofft, dass ihr Traum nicht wahr wird, dass ihre Klasse einmal nett ist und sie nur für diesen einen Tag in Ruhe lässt. Doch sie konnten es nicht lassen. Schon als sie den Klassenraum betrat bemerkte sie eine unbekannte Spannung in der Luft, die ihr Angst machte. Doch um umzudrehen war es zu spät, man hatte sie bemerkt. Sie tat ganz normal und setzte sich an ihren Platz und hoffte weiter das nix geschehen würde – vergebens. Kaum hatte sie sich hingesetzt, hörte sie das verräterische Kichern hinter sich, dass meistens eine weitere Aktion gegen sie ankündigte. Wie von selbst spannten sich all ihre Muskeln an. Sie hörte ein sirrendes Geräusch und mit voller Wucht traf der Klassenfußball sie am Kopf. Erschrocken zuckte sie zusammen. Mit körperlicher Gewalt hatte sie nicht gerechnet. Sekunden vergangen. Sekunden, in denen der Teil ihrer Seele, der noch an das Gute glaubte, anfing zu hoffen, dass es das war. Doch wie immer war es vergeblich. Wie sie schnell erkannte, warfen nur die Jungen und die Mädchen saßen auf den Tischen und lachten über ihre Verzweifelung und den Schmerz, den sie ertragen musste. Umso mehr Busse ankamen, umso schlimmer wurde ihr Martyrium. Als dann endlich die Zugfahrer kamen, zu denen auch ihre freundin zählte freute sie sich. Endlich jemand der ihr half. Ihre Freundin erkannte die Lage, nahm den Jungen den Ball weg und brachte sie aus dem Klassenzimmer heraus ins Sekretariat. Der einzige Gedanke von ihr war: Endlich in Sicherheit!

Nachdem sie von ihrer Mutter abgeholt worden war, ist sie sofort in den Keller gegangen und hat das Geschehen noch einmal vor ihrem innerem Auge abgespielt. Jetzt stand sie auf und bewegte sich mit steifen Schritten zu der hellen Kellertür, die der einzige Lichtpunkt war. Sie zog die Tür leise auf und schlich sich nach oben. Oben angekommen, legte sie sich auf das Sofa und schloss die Augen um sich vor dem grellen Sonnenlicht zu schützen. Ihr war kalt und sie suchte sich eine Decke um sich zu wärmen. Im Flur hörte sie die Stimme ihrer Mutter, die sich bei der Schule und den Eltern ihrer Klassenkameraden beschweren wollte. Doch sie wusste, dass die Schule das ganze nur als erfunden abtun würde und die Eltern ihrer Klassenkameraden der Geschichte auch keinen Glauben schenken würden. Endlich hatte sie die Decke gefunden und legte sich wieder auf das Sofa und kuschelte sich in die Decke. Sie bemerkte nichtmals, dass sie einschlief und es viel ihr erst auf als ihre Mutter sie weckte, weil das Essen fertig war. Sie blinzelte verschlafen in das Licht und setzte sich auf. Mit schlurfendem, lustlosem Gang bewegte sie sich zum Esszimmer und setzte sich auf ihren Platz. Sie wartete darauf, dass ihre Mutter anfing, ihr zu erzählen, was die Eltern und die Schulleitung gesagt hatten. Als ihre Mutter anfing, hörte sie genau das, was sie erwartet hatte. Es gab nur eine Überraschung: Eine Mutter wollte mit ihrem Sohn nachmittags vorbeikommen. Sie freute sich nicht darüber, sie wollte die gesamte Klasse nie wieder sehen, doch sie wusste, dass das nie passieren würde.
Nachmittags kam der angekündigte Besuch. Man warf ihr vor Lügen zu erzählen und nahm den Vorwurf zurück, als der Sohn schließlich sagte, dass es stimmt, was sie erzählt. Danach wurde ihr vorgeworfen, dass sie das ganze wohl falsch verstanden hätte, dass das alles doch nur Spaß gewesen sei. Ihre Gedanken überschlugen sich. Wieso wollte ihr niemand glauben? Wieso warf man ihr vor, alles zu erfinden oder alles falsch zu verstehen? Was hatte sie falsch gemacht, dass sie so bestraft wird? Sie war den Tränen nahe. Doch sie durfte nicht weinen. Sie musste stark sein. Der Rest des Gespräches rauschte an ihr vorbei. Sie bekam nichts mehr mit. Als die Tortur nach circa einer Stunde vorbei war, ging sie in ihr Zimmer. Dort angekommen, sah sie auf ihrem Schreibtisch ihre Schere liegen. Wie automatisch griff sie zu der Schere und drückte sie nur leicht auf die Haut. Als sie sie wieder weg nahm, sah sie deutlich eine leichte Blutspur auf ihrer Haut. Doch das eisige Gefühl war nichts für sie. Sie legte sie wieder weg. Und vergas für ein paar Wochen diese Möglichkeit sich von einer Last zu befreien.

Der nächste Schultag, war ein einzige Qual für sie. Ihre Lehrer zwangen sie dazu, das ganze noch einmal zu erzählen. Sie konnte nicht mehr. Die hasserfüllten Blicke ihrer Klassenkameraden gaben ihr den Rest. Im Laufe des Tages musste sie sich noch mehr Sprüche anhören, als sonst. Im Unterricht saß sie nur still und blass auf ihrem Platz und wenn ein Lehrer sie ansprach, zuckte sie nur zusammen und verkrampfte sich noch mehr. Die Aufgaben, die ihnen gestellt wurden, erledigte sie mechanisch ohne wirklich zu realisieren, was sie überhaupt machte. In den Pausen saß sie zusammen gekauert in einer Ecke und flüchtete sich in ihre Traumwelt, der einzige Ort an dem sie sich wohlfühlte. Als sie nach der ersten Pause zurück ins Klassenzimmer ging, spürte sie, dass etwas nicht in Ordnung war. Doch etwas auffälliges war nicht zu sehen. Erst als sie die Sachen für die nächste Stunde raussuchte, fiel ihr ein weißer Zettel auf, der vorher noch nicht dagewesen war. Sie nahm ihn mit zitternden Finger hinaus und faltete ihn auseinander. Sie bemerkte, dass er aus einem Schulheft herausgerissen worden war, da auf der Rückseite Aufgaben des selbigen Tages standen. Auf der richtigen Seite, stand in dicken, roten Buchstaben: "Verschwinde du Schlampe! Merkst du nicht das dich keiner hier mag? Setz nie mehr einen Fuß in diesen Raum du dreckige Satanistin! Am Besten bringst du dich gleich um. Dich will doch sowieso nie jemand haben. Freunde wirst du nie finden! Es gibt niemanden der sich über deine Existenz freut. Bring dich um du dreckiges Miststück und du zeigst wenigstens noch etwas Ehrgefühl, da durch deinen Tod die Menschheit besser geworden ist und man keinen Abschaum mehr findet!" Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie zerknüllte den Zettel in ihrer aust zu einem Ball. Sie starrte auf den Tisch und versuchte die Tränen wegzublinzeln, während sie versuchte ihre seelischen Schmerzen mit körperlichen Schmerzen zu unterdrücken. Die folgenden zwei Schulstunden drückte sie mit aller Kraft ihre Fingernägel in ihre Unterarme und realisierte nichtmals, dass sich Blutstropfen bildeten. In der darauffolgenden Pause, saß sie nicht in ihrer gewohnten Ecke sondernhastete zum Lehrerzimmer um der Vertrauenslehrerin den Zettel zu zeigen. Sie zeigte Mitgefühl und versprach ihr, mit der Klasse zu reden. Leicht beruhigt ging sie zu ihrer Ecke und blieb dort bis die Pause zu Ende war. Während sie zitternd zum Klassenraum lief, biss sie auf ihre Lippen um nicht in Tränen auszubrechen. Vor der Tür wurde sie noch unruhiger, wie vor der ersten Pause. Dieses mal sah sie auch sofort den Grund. Ihre Tasche war ausgeleert worden. Alle Hefte und Bücher lagen zerknickt und/oder zerrissen auf dem Boden. Betäubt ging sie in den Raum und sah sich um. Nach kurzer Zeit fing sie an, alle Sachen einzusammeln. Noch während sie die Sachen wieder in die Tasche steckte, betraten zwei Klassenkameradinnen mit hämischen Blicken den Raum.Mit betont langsamen, leicht bedrohlich wirkenden Schritten kamen sie auf sie zu. Sie schubsten sie, sodass sie stolperte und fast hin fiel. 'Na du Stück Dreck? Zu dumm um zu stehen oder seine Schulsachen in die Tasche zu tun?' Erschreckt blickte sie sie an. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie hatte gehofft für den Tag genug gelitten zu haben.In ihrem Kopf schwirrte es. Ihr wurde schwarz vor Augen und beinahe hätte sie sich übergeben. 'Was wollt ihr?', fragte sie leise und blickte zu ihnen hoch. 'Wo ist unser Zettel?' 'Welcher Zettel?' Natürlich wusste sie welcher gemeint war, aber ihr einziger Gedanke war, dass sie Zeit schinden musste.'Welcher wohl? Leidest du etwa auch an Gedächtnisschwund und nicht nur an Fehlern?' 'Wenn ihr den Zettel meint, den ihr mir in die Tasche gesteckt habt. Den habe ich nicht mehr. Er war in meiner Tasche, also dachte ich, dass er mir gehört.' 'Du hast gedacht? Da kann ja nichts bei rauskommen. Gib endlich den Zettel her, du Schlampe!' 'Ich hab den nicht mehr! Ich habe den abgegeben.' Sie verfluchte ihre Stimme dafür, dass sie so weinerlich klang. 'Du elende Diebin! Sorg dafür, dass wir den Zettel wieder bekommen oder du kannst was erleben!' Wütend stampften beide mit den Füßen auf und sie shützte relexartig ihren Kopf mit den Armen.

Zu ihrem Glück klingelte es zum zweiten Mal und der Rest der Klasse betrat kreischend den Raum. Die Mädchen ließen von ihr ab und sie sammelte so schnell sie konnte den Rest ihrer Sachen ein und setzte sich an ihren Platz. Als ihre Sitznachbarin den Raum betrat ging sie direkt auf einen Klassenkameraden zu, der alleine saß und besprach etwas mit ihm. Dann ging sie zu ihrem Platz, nahm ihre Sachen und setzte sich neben ihn. Ihr wurde schlecht und sie bemerkte, wie sich ihr Herz zusammenkrapfte. Sie spürte wie Tränen in ihr aufstiegen, die sie nicht zurück drängen konnte. Leise fing sie an zu weinen. Die Tränen rannen immer noch ihre Wangen hinunter und tropften auf den Tisch, als ihr Mathelehrer den Raum betrat. Er sah, dass sie weinte und schickte sie aus dem Raum. Mit kleinen, zögernden Schritten lief sie langsam und am ganzen Körper zitternd zur Tür, die ihr Lehrer für sie aufhielt. Sie betrat den Gang und der Lehrer schloss die Tür hinter ihr mit einem Knall, der sie zusammenzucken ließ. Sie biss sich auf die Lippen und sagte sich, dass sie nicht weinen bräuchte, dass alles nicht so schlimm sei und dass alles vorbei wäre, wenn sie aufwacht. Als sie an der Treppe angekommen war, verließ sie die Kraft und sie stürzte. Am Ende des ersten Treppenabschnittes blieb sie liegen. Während des Sturzes hatte sie sich so fest auf die Lippen gebissen, dass sie aufgerissen waren und somit jetzt nicht nur Tränen sondern auch Blut auf ihre Sachen tropften. Sie rappelte sich auf und hielt sich für den Rest der Treppe am Geländer fest. Unten angekommen bewegte sie sich zögernd nach draußen. Immer wieder schaute sie sich um, ob welche aus der Klasse ihr folgten. Draußen suchte sie sich einen Schattenplatz und setzte sich dorthin. Sie dachte über die vergangenen Tage nach und ihr fielen die Worte ihrer Klassenkameradinnen wieder ein. Hatten sie vielleicht Recht? Sie hatte niemanden und niemand wollte etwas mit ihr zu tun haben. Vielleicht war es ihr nicht gegönnt zu leben und ihr Tod würde jeden glücklicher stimmen. Vielleicht sollte sie sich am Besten umbringen, dann würde zumindest eine Plage weniger auf diesem Planeten existieren. Doch diese Gedanken stimmten sie nur trauriger. Sie wollte doch leben. Sie wollte glücklich sein. Aber sie musste erkennen, dass es erstmal nicht möglich war. Sie stellte sich vor, wie es sein würde, wenn sie beliebt wäre. Sie erstellte ihre Traumwelt. Etwas, dass ihr niemand nehmen konnte. Ein lächeln huschte über ihr Tränen und Blut überströmtes Gesicht. Ein Lächeln, dass niemand sah. Aber es machte sie stärker, sodass sie zurück in die Schule schlich. Zwar waren ihr Schultern hochgezogen, aber da niemand da war, konnte sich auch niemand darüber wundern. Ihr Blick war auf den Boden gerichtet, damit niemand das Blut und die Tränen sah. So schlich sie langsam zurück zum Klassenraum um wenigstens die letzte Schulstunde mitzubekommen.

Rest folgt noch.




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